Sagenhaftes Weserbergland

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Baron von Münchhausen

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Ich will Ihnen, meine Herren, mit Geschwätz von der Verfassung, den Künsten, Wissenschaften und anderen Merkwürdigkeiten jener Gegenden keine Langeweile machen, viel weniger Sie mit denen Intrigen und Abenteuern der Gesellschaften unterhalten ...

Im Türkenkriege

Einem Manne, meine Herren, der einen Gaul, wie mein Litauer war, zu reiten vermochte, können Sie wohl noch andre Voltigier- und Reiterstückchen zutrauen, wenn Sie auch vielleicht ein wenig fabelhaft klingen möchten. Wir belagerten nämlich eine türkische Festung, und dem Feldmarschall war ganz erstaunlich viel an genauer Kundschaft gelegen, wie die Sachen in der Festung stünden. Doch war eben kein tüchtiges Subjekt vorhanden, durch das man sowas auszurichten hätte hoffen können.

Vor Diensteifer, fast ein wenig allzu rasch, stellte ich mich neben eine der großen Kanonen, die soeben nach der Festung abgefeuert ward, sprang im Hui auf die Kugel, in der Absicht, mich in die Festung tragen zu lassen. Als ich aber halbwegs durch die Luft geritten war, stiegen mir allerlei Bedenken zu Kopfe. "Hum", dachte ich, "hinein kommst du wohl, allein, wie hernach wieder heraus? Man wird dich in der Festung sogleich als Spion erkennen und an den Galgen hängen. Und ein solches Bette der Ehre wollte ich mir denn doch wohl verbitten!" - Kurz entschlossen nahm ich die Gelegenheit wahr, als eine andere Kugel aus der Festung dicht an mir vorüber nach unserm Lager flog, sprang auf diese hinüber und kam wohlbehalten bei den lieben Unsrigen wieder an. - So leicht und fertig ich im Springen, so war es auch mein Pferd: Einst setzten wir hinter einem Hasen her, der querfeldein über die Straße lief. Eine Kutsche mit zwei schönen Damen fuhr diesen Weg gerade zwischen mir und dem Hasen. Da setzte mein Gaul so schnell mitten durch die Kutsche, deren Fenster aufgezogen waren, daß ich kaum Zeit hatte, meinen Hut zu ziehen und die Damen untertänigst um Verzeihung zu bitten!

Als wir die Türken in 0. hineintrieben, ging's bei der Avantgarde heiß her. Weil nun mein Litauer so außerordentlich schnell war, so war ich der Vorderste beim Nachsetzen. - Da ich sah, daß der Feind hübsch zum andern Tor wieder hinausfloh, so hielt ich's für ratsam, auf dem Markte zum Rendezvous blasen zu lassen. Ich hielt an, aber stellt Euch mein Erstaunen vor, als ich weder den Trompeter noch irgendeinen der Meinigen um mich sah; doch mußten sie mich bald einholen. In dieser Erwartung ritt ich zum Brunnen und ließ meinen Litauer trinken. Er soff ganz unmäßig und mit einem Heißdurst, der gar nicht zu löschen war. Allein dies ging ganz natürlich zu. Denn als ich mich umsah, was meint Ihr Herren, was ich da erblickte? - Der ganze Hinterteil des armen Tieres war rein wie abgeschnitten. So lief denn hinten das Wasser ebenso hinaus, als es vorn hereingekommen war, ohne daß es dem Gaul zugute kam. Dieses blieb mir ein völliges Rätsel, bis endlich mein Reitknecht angejagt kam und mir mit kräftigen Flüchen folgendes zu vernehmen gab: Als ich pêlemêle mit dem Feinde eingedrungen wäre,so hätte man plötzlich das Torgatter fallen lassen,und dadurch wäre der Hinterteil meines Pferdes rein abgeschlagen worden. - Erst hätte dieser unter den Feinden durch beständiges Ausschlagen fürchterliche Verheerung angerichtet, um dann siegreich zu einer nahen Weide zu wandern, wo ich ihn wohl noch finden würde. - Ich drehte sogleich um und in schnellem Galopp nach der Weide hin, wo ich zur größten Freude die andere Hälfte meines Litauers gesund und wohl vorfand. Der Kurschmied heftete dann beide Teile meines braven Pferdes mit Lorbeersprößlingen wieder zusammen ...

 

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